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Joggen mit Joschka

Heute war ich mit  Bundesaußenminister Joschka Fischer joggen, und es war ziemlich gut, weshalb ich euch meinen Bericht nicht vor enthalten möchte:

Im Rahmen seiner Wahlkampftour war er heute in Frankfurt an der Oder, wo auch ein Lauf unter dem Motto "Joggen mit Joschka" auf dem Programm stand, dem sich interessierte Bürger nach Voranmeldung anschließen konnten. Da ich dort in der Nähe arbeite und es mir also passte, meldete ich mich auch für dieses joggen an.

Um 15.00 Uhr sollte es ursprünglich los gehen; tatsächlich wurde es aber kurz nach 16.00  Uhr. Die Zeit wurde aber nicht langweilig, weil sich in der Zwischenzeit die  Reporter mit den wartenden Läufern befassten. So habe ich ein Radiointerview für  Antenne Brandenburg gegeben, das morgen irgendwann gesendet werden soll.  Außerdem gab ich noch ein Zeitungsinterview für eine Regionalzeitung. Befragt  wurde ich über meine Motive, an diesem Lauf teil zu nehmen, was ich mir davon  verspreche und wie ich überhaupt zu Joschka Fischer stehe.

Als Joschka  Fischer dann endlich erschien, stürzten sich alle Kameras und Mikrofone auf ihn, und er musste erst einmal 5-10 Minuten Fragen beantworten, bis es endlich los ging.

Es wurde gelaufen in folgender Formation: Joschka Fischer ganz vorn (abgesehen von Polizeimotorrädern noch viel weiter vorher und zwei  Bodyguard-Jogger ca. 50 m voraus, die die Lage peilten), rechts und links von  ihm ein Bodyguard-Jogger und hinter den dreien jeweils auch noch mal ein  Bodyguard-Jogger. Erst dahinter durften die normalen Läufer sich anschließen und  nicht überholen. Darüber war ich nicht sehr begeistert, hatte ich doch meine Hoffnung verloren, mit dem Außenminister wenigstens ein paar Worte wechseln zu  können.
Allerdings gelang es mir,  unmittelbar hinter den Bodyguards, die hinter Fischer liefen, meinen Laufplatz  zu besetzten, und zwar so, dass ich immer zwei Meter hinter Joschka lief und den besten Blick auf ihn (seine Rückseite) hatte.

Joschka Fischer trug ein grünes T-Shirt, unter dem sein Bauch nicht zu verbergen war. Er sah viel Jünger aus als im Fernsehen und auch viel jünger als beim Neujahrslauf 2001, wo ich ihn  damals auch schon aus kürzester Distanz zu sehen bekam.
Vielleicht lag dieser Eindruck auch daran, dass er möglicherweise weniger Falten als noch vor zwei Jahren hat, da er deutlich wieder dicker geworden ist, wenngleich längst nicht so wie früher einmal.

Jedenfalls machte ich mir nicht so viele Hoffnungen über den sportlichen Wert dieses Laufes, da ich annahm, dass Fischer  in nicht so guter Form sein würde. Im Interview unmittelbar vor dem Start hatte  er zudem noch gesagt, dass er angesichts der Hitze ganz langsam laufen wolle.

Es ging dann auch recht langsam los. Es ging stadtauswärts. Immer wieder war es komisch, wie so manche Passanten oder Anwohner reagiert haben. Da gab es  manchmal Applaus und Anfeuerungsworte, oft aber auch nur ein verdutztes Glotzen .  Joschka reagierte auf so gut wie  jeden Zuruf oder jedes Winken.

Als nach etwa vier km wieder kehrt gemacht wurde, dachte ich schon, Fischer könne oder wolle nicht mehr als acht km heute laufen. Ich ärgerte mich schon, als dann plötzlich nicht der gerade Rückweg eingeschlagen wurde, sondern abgebogen wurde zu einem Ortsteil, der sehr  hoch gelegen ist und wo man lange Steigungen zu bewältigen hat. Joschka wurde zu meiner Überraschung überhaupt nicht langsamer.
Ich glaube, einige von den Mitlaufenden hatten dort zu kämpfen!

Als wir diese Steigung bewältigt hatten und es wieder bergab ging, war zu meiner Überraschung eine  Verpflegungsstation der Polizei aufgebaut. Die Wasserbecher wurden uns von den Beamten gereicht.
Wir liefen aber nicht weiter wie beim Marathon, sondern  Joschka ordnete einen totalen Stopp an, über den ich zunächst gar nicht so erfreut war. Nachdem ich meinen Becher Wasser getrunken hatte, schaute ich nach  Joschka aus und sah, wie er einfach so da stand. Rechts und links ein Bodyguard, aber ansonsten machte er den Eindruck, als hätte er nichts dagegen, mit den  Läufern ins Gespräch zu kommen. Also machte ich einen mutigen Schritt auf ihn zu und stand plötzlich Angesicht zu Angesicht vor ihm. Er schaute mich irgendwie  einladend an, als ob er meine Frage(n) erwartete.
Also begann ich das  Gespräch:
Ich fragte ihn, wann er denn mal wieder einen Marathon laufen  wolle. Er machte ein etwas gequältes Gesicht und antwortete, dass er im Moment  froh sei, keinen Marathon laufen zu müssen, da dies ihm ja mental sehr viel  abverlange. Ich sagte ihm, dass es ihn doch mental stärken könne, worauf er  lächelte und nicht widersprach. Er verwies darauf, dass er einfach zu wenig Zeit hätte, nicht erst seit dem 11. September. Ich fragte ihn, wie oft er denn so in der Woche zum laufen käme. Er antwortete, er versuche, drei bis fünf mal die Woche zu laufen mit mindestens 12 km. Ich schlussfolgerte, dass dann wohl rund 30 km in der Woche zusammen kämen, was er aber heftig widersprach. Es seien mehr als 30.

Schließlich beteiligten sich noch andere Läufer am Gespräch, dass dann aber bald beendet wurde, weil der Lauf fort gesetzt wurde.
Im gleichmäßigen Tempo liefen wir wieder zum Ausgangspunkt zurück, wo uns auch  schon wieder die Presseleute erwarteten.

Joschka gab noch mal Interviews. Ich gab auch noch mal Interviews, wie weitere Läufer auch, wie ich denn zufrieden war und wie es abgelaufen ist. Einmal für Antenne Brandenburg  wieder und dann noch für eine niederländische Zeitung. Es waren auch Fernsehteams u.a. von ORF, RAI, Dt. Welle da.

Fazit: Ein Lauf, zu dem  ich einfach hin gegangen bin ohne zu große Erwartungen, um nicht enttäuscht zu  werden, dessen Teilnahme sich aber voll gelohnt hat mit einem gut aufgelegten und doch fitten Joschka Fischer.


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Liebe Grüße  Frank
Start-Nr. 674 auf Lebenszeit Berlin-Marathon, Generalprobe u.  City-Nacht

hinter Joschka links ist unser Fori Frank